Die kleine Raupe

„Wir sind ein Bestandteil der Erde“, sagte Herr Dachs. „Und weil wir ein Teil des Ganzen sind, sind wir auch Teil voneinander. Ich bin ein Teil von dir, und du bist ein Teil von mir. So wie ich mit dir umgehe, so gehe ich mit mir selber um.“

Trilogie, 1. Versuch

Es war schon spät am Nachmittag, da schien die Sonne geradeaus in das Loch eines Baumes und beleuchtete und wärmte alles, was drinnen war. Eine kleine, fette, grüne Raupe reckte sich und schlüpfte gerade aus dem Ei.

„Puuh, ist das warm hier drin“, seufzte sie. Es wurde wirklich Zeit, aus dem Ei zu schlüpfen, denn alle anderen Raupen waren schon längst aus dem Loch gekrochen und knabberten fröhlich drüben, am anderen Ende des Astes, an den grünen Blättern.

„Hab ich einen Hunger!“, seufzte sie und machte sich auf den Weg zu den Blättern. Doch als sie das Loch verlassen wollte, schaute sie direkt auf die Beine eines Vogels, der vor ihr auf dem Ast saß.

„Ein Vogel“, sagte die kleine Raupe. „Das ist nicht gut.“

Da entdeckte der Vogel die Raupe und machte „Pieps“.

Zum Glück passte der Schnabel des Vogels nicht in die Öffnung, und die kleine Raupe war in Sicherheit.

„Na los, komm raus da!“, rief der Vogel. „Ich habe dich gesehen.“

„Nein, ich glaube, ich komme besser nicht“, antwortete die Raupe von innen.

„Und wieso nicht?,“ fragte der Vogel erstaunt. „Du bist doch mein Futter.“

„Weil ich so einen Hunger habe. Wenn du mich frisst, dann kann ich nicht essen.“

„Aber ich ja auch nicht. Wenn du nicht rauskommst, dann kann ich auch nicht essen. Na los, komm schon!“

„Wenn du mich frisst, dann verhungere ich“, sagte die Raupe. „Kannst du nicht woanders sein?“

„Nein“, sagte der Vogel. „Es sei denn, du kommst mit.“

„Ich muss aber da rüber“, sagte die Raupe und zeigte auf die Blätter.

„Na gut, ich bring dich da hin“, antwortete der Vogel und grinste dabei.

„Toll“, freute sich die kleine Raupe „Das ist eine gute Idee. Dann brauche ich ja nicht so weit zu laufen.“

„Also, dann komm da raus, ich habe nämlich nicht so viel Zeit.“

„Was hast du denn noch vor?,“ wollte die kleine Raupe wissen.

„Ich muss weiter fressen gehen.“

„Ich auch“, sagte die kleine Raupe. Sie wollte gerade hinauskriechen. Da fiel ihr etwas ein.

„Weißt du, dass wir Raupen nur Blätter fressen?“, fragte sie den Vogel.

„Ist doch egal, Hauptsache ihr schmeckt.“

„Schmecken Raupen, die was anderes essen, anders?“, fragte die Raupe.

„Ja, die blattfressenden Raupen schmecken besser, als die, die Spinat fressen oder Blumenkohl.“

„Wonach schmecken denn die blattfressenden Raupen?“, fragte die Raupe.

„Na, nach Blättern, ist doch klar.“

„Magst du Blätter?“

„Nein, ich habe noch keine probiert“, sagte der Vogel.

„Solltest du aber, die sind soooo lecker.“

„Brauche ich nicht. Ich esse ja Raupen.“

„Wenn du gleich die Blätter futterst“, sagte die Raupe, „dann kannst du dir die Raupen sparen.“

„Und was habe ich davon?“, wollte der Vogel wissen.

„Na, den besseren Geschmack. Die Blätter schmecken dann noch viel reiner und saftiger.“

„Echt?“

„Ja“, sagte die Raupe, „die Raupen verfälschen nur den Geschmack. Stell dir vor, die ganz frischen, reinen Blätter, ohne Raupe drum herum. Das müsste doch viel leckerer sein.“

„Das ist eine gute Idee“, sagte der Vogel. „Ich sollte das einmal ausprobieren.“

„Ja“, sagte die Raupe. „Du kannst mich zu den Blättern bringen, und dann zeige ich dir, wie das geht, und wir essen sie gemeinsam.“

„Oh, ja“, rief der Vogel erfreut aus.

Die kleine Raupe kroch aus dem Loch, und der Vogel pickte sie mit dem Schnabel auf und brachte sie zu den Blättern.

„Hallo Leute“, rief die Raupe zu ihren Geschwistern, als sie der Vogel absetzte, „das ist Piepsi. Er will mit uns essen.“

Die anderen Raupen saßen auf den Blättern und hatten ihre Mäuler voll.

Sie freuten sich. „Hallo Piepsi!“, riefen sie und fraßen weiter.

Die Blätter schmeckten dem Vogel wirklich lecker.

„Blätter schmecken genauso wie Raupen“, sagte der Vogel mit vollem Schnabel. „Aber die Blätter haben einen viel reineren Geschmack. Und sind viel frischer.“

Und dann fraßen die Raupen mit dem Vogel zusammen die Blätter, bis der Abend gekommen war.

Trilogie, 2. Versuch

Es war schon spät am Nachmittag, da schien die Sonne geradeaus in das Loch eines Baumes und beleuchtete und wärmte alles, was drinnen war. Eine kleine, fette, grüne Raupe reckte sich und schlüpfte gerade aus dem Ei.

„Puuh, ist das warm hier drin“, seufzte sie. Es wurde wirklich Zeit, aus dem Ei zu schlüpfen, denn alle anderen Raupen waren schon längst aus dem Loch gekrochen und knabberten fröhlich drüben, am anderen Ende des Astes, an den grünen Blättern.

„Hab ich einen Hunger!“, seufzte sie und machte sich auf den Weg zu den Blättern. Doch als sie das Loch verlassen wollte, schaute sie direkt auf die Beine eines Vogels, der vor ihr auf dem Ast saß.

„Ein Vogel“, sagte die kleine Raupe. „Das ist nicht gut.“

Da entdeckte der Vogel die Raupe und machte „Pieps“.

Zum Glück passte der Schnabel des Vogels nicht in die Öffnung, und die kleine Raupe war in Sicherheit.

„Na los, komm raus da!“, rief der Vogel. „Ich habe dich gesehen.“

„Das ist keine gute Idee“, sagte die Raupe.

„Warum nicht?“, fragte der Vogel.

„Wenn du mich futtern willst, kriegst du Bauchweh, und dann stirbst du so lange, bis du tot bist“, sagte die kleine Raupe.

„Woher willst du das denn wissen?“, fragte der Vogel.

„Na, ganz einfach, weil ich giftig bin. Darum.“

„Ach“, sagte der Vogel. „Das kann ja jeder sagen. Das glaube ich nicht.“

„Klar, brauchst du mir nicht zu glauben“, erzählte die Raupe. „Du wirst es dann von selber merken.“

„Giftige Raupen haben aber einen ganz roten Kopf und einen ganz roten Hintern“, sagte der Vogel. „Sie warnen die Vögel vorher durch ihre Signalfarben.“

„Ich habe auch einen roten Kopf“, sagte die Raupe und hielt ganz fest die Luft an. Sie bekam einen roten Kopf.

„Tatsächlich“, staunte der Vogel, als er die Raupe sah. „Der ist aber rot! Du bist wirklich giftig. Ist dein Hintern auch rot?“

„Klar“, sagte die Raupe und drehte sich um. Aber ihr Hintern war grün.

„Ha, wusste ich es doch“, freute sich der Vogel, „du bist doch nicht giftig.“

„Aber eklig.“

„Was?“

„Ja, dir wird total übel, wenn du mich futterst. Und dann geht es dir schlecht. Das kann ich dir sagen.“

„Und jetzt bist du plötzlich eklig. Vorhin warst du noch giftig.“

„Ja, eklig sein ist noch schlimmer, als giftig zu sein. Du kannst es gerne versuchen, aber ich habe dich gewarnt.“

„Hast du auch eine Signalfarbe dafür?“

„Nein.“

„Na gut. Also komm schon raus. Ich habe Hunger“, sagte der Vogel ungeduldig.

„Okay, ich komme, aber du wirst mich nicht entdecken.“

„Und warum nicht?“, fragte der Vogel.

„Ich bin nämlich getarnt“, erzählte die Raupe. „Wenn du mich siehst, glaubst du, ich bin ein Blatt. Willst du mal sehen?

„Na klar“, sagte der Vogel. „Dann komm, zeig dich!“

Die kleine Raupe nahm ein verwelktes Blatt, das in ihrer Höhle lag, und hielt es vor sich wie ein Schild. Dann kam sie heraus.

„Alle Wetter, is ja doll“, staunte der Vogel. „Ich kann dich wirklich nicht sehen.“

„Da staunst du, was?“, lächelte die Raupe

Tatsächlich. Der Vogel konnte die Raupe nicht sehen.

„Perfekt“, sagte der Vogel und schaute noch eine Weile. „Also wenn ich dich nicht sehen kann, dann flieg ich wieder weg.“

„Alles klar!“, sagte die Raupe.

„Auf Wiedersehen, Raupe“, sagte der Vogel. Er erhob sich in die Lüfte und flog weg.

„Auf Wiedersehen, Vogel“, sagte die Raupe.

Trilogie, 3. Versuch

Es war schon spät am Nachmittag, da schien die Sonne geradeaus in das Loch eines Baumes und beleuchtete und wärmte alles, was drinnen war. Eine kleine, fette, grüne Raupe reckte sich und schlüpfte gerade aus dem Ei.

„Puuh, ist das warm hier drin“, seufzte sie. Es wurde wirklich Zeit, aus dem Ei zu schlüpfen, denn alle anderen Raupen waren schon längst aus dem Loch gekrochen und knabberten fröhlich drüben, am anderen Ende des Astes, an den grünen Blättern.

„Hab ich einen Hunger!“, seufzte sie und machte sich auf den Weg zu den Blättern. Doch als sie das Loch verlassen wollte, schaute sie direkt auf die Beine eines Vogels, der vor ihr auf dem Ast saß.

„Ein Vogel“, sagte die kleine Raupe. „Das ist nicht gut.“

Da entdeckte der Vogel die Raupe und machte „Pieps“.

Zum Glück passte der Schnabel des Vogels nicht in die Öffnung, und die kleine Raupe war in Sicherheit.

„Na los, komm raus da!“, rief der Vogel. „Ich habe dich gesehen.“

„Piepsi, bist du es?“, rief die kleine Raupe aus.

„Äh, ja“, antwortete der Vogel.

„Ist das die Möglichkeit, nach so langer Zeit! Piepsi, mein Bruder!“

„Ich bin nicht dein Bruder“, sagte der Vogel erstaunt.

„Aber klar doch! Komm, lass dich umarmen“, rief die kleine Raupe.

Doch der Vogel wollte nicht so recht.

„Okay“, sagte er schließlich. „Aber zuerst will ich dich futtern. Dann können wir uns umarmen.“

„Aber wie kannst du denn deinen eigenen Bruder futtern?“

„Ich habe nur vier Schwestern, keinen Bruder.“

„Hast du schon mal eine Schwester gefuttert?“, fragte die Raupe.

„Nein, natürlich nicht.“

„Siehst du? Brüder futtert man auch nicht.“

„Hör mal“, sagte der Vogel. „Du bist nicht mein Bruder. Wir sind überhaupt nicht miteinander verwandt.“

„Oh doch, wir sind es!“

„Du bist ein Insekt, und ich bin ein Vogel. Wir können nicht miteinander verwandt sein.“

„Na klar!“, rief die Raupe aus. „Und was glaubst du, woher wir alle abstammen, hä? Wir haben alle den gleichen Ursprung.“

„Das muss aber schon lange her sein.“

„Ist es nicht! Mein Ur- ur- ur- ur- ur- ur- ur- ur- ur- ur- ur-…..“

„Lass gut sein. Ich glaube es dir“, sagte der der Vogel.

„… Großvater war der Bruder von deinem Ur- ur- ur- ur- ur-….“

„Hör mal, Raupe: Wir sind nicht verwandt.“

„… Großvater.“ Die Raupe machte eine Pause. „Weißt du, vielleicht wird es dir klar, wenn du dir überlegst, wie alles anfing. Woraus bestehst du?“

„Ich?“ Der Vogel wunderte sich über die Frage.

„Ich meine, aus was bestehst du?“

„Ich? Äh, aus Federn und Knochen und Haut…“

„Und wie ist das entstanden? Ich meine, aus was bestehst du?“, fragte die Raupe.

„Aus Raupen…“, überlegte der Vogel.

„Genau. Ich bin eine Raupe. Und ich bin aus Blättern entstanden. Alle meine Vorfahren aßen Blätter. Und so du bist auch aus Blättern entstanden, weil du Raupen futterst, wie deine Vorfahren auch. Wir beide sind aus Blättern entstanden.“

„Ist mir doch egal“, sagte der Vogel trotzig, „aus was ich entstanden bin.“

„Und die Blätter sind aus dem Baum entstanden“, erzählte die Raupe weiter. „Und der Baum ist aus der Erde entstanden.“

„Na und?“

„Und die Erde ist wie unsere Mutter. Wir beide sind aus der Erde entstanden. Wir bestehen aus Erde.“

„Ich will aber keine Erde futtern, sondern Raupen“, sagte der Vogel.

„Wir sind beide ein Teil davon. Verstehst du?“, fragte die Raupe.

„Nö.“

„Wir sind alle ein Teil des Ganzen. Wir sind ein Teil der Erde, ein Teil des Baums, ein Teil von allem.“

„Ich habe Hunger“, sagte der Vogel.

„Du bist ein Teil von mir.“

„Und bald bist du ein Teil von mir“, freute sich der Vogel.

„Ich bin du, und du bist ich. Verstehst du?“

Der Vogel schaute in das Loch zur Raupe.

„Du meinst, du bist ich? Vorhin sagtest du noch, du wärst mein Bruder.“

„Ja, Piepsi, mein Bruder. Wir gehören zusammen, wie Kopf und Beine am Körper. Wir gehören alle zur Erde wie zu einem Körper.“

„Ich habe trotzdem Hunger. Na los, komm schon raus!“

„So, wie du mit anderen umgehst“ sagte die Raupe, „so gehst du mit dir selber um.“

„Hä?“ Der Vogel verstand wieder nicht richtig. „Wie gehe ich denn mit anderen um?“

„Du behandelst deine Umwelt immer so, wie du dich selbst behandelst.“

„Und wie behandele ich sie?“

„Na, wenn du mich frisst, dann ist es so, als ob du dir in den Fuß beißt.“

„Du meins,t ich soll mir in den Fuß beißen?“

„Ja, es ist das Gleiche, als ob du mich beißt. Nur zu, wenn dir danach ist…“

Der Vogel pickte sich in den Fuß. „Au!“

„Siehst du?“

„Tatsächlich, du hattest Recht. Das hätte ich nicht gedacht.“

„Und jetzt pick deinen anderen Fuß.“

„Au!“

„Na bitte.“

„Unglaublich“, staunte der Vogel. „Wenn ich dich fressen will, tut es mir weh.“

„Ich bin du, und du bist ich“, sagte die Raupe.

„Jetzt verstehe ich“, sagte der Vogel.

„Dann komm, mein lieber Piepsi. Lass uns Blätter essen.“

„Du meinst, denen tut das nicht weh?“

„Nicht so wirklich.“

„Mir auch nicht?“

„Nein.“

„Okay.“

Die kleine Raupe kroch aus dem Loch, und der Vogel pickte sie mit dem Schnabel auf und brachte sie zu den Blättern.

„Hallo Leute“, rief die Raupe zu ihren Geschwistern, als sie der Vogel absetzte, „das ist Piepsi, unser Bruder. Er will mit uns essen.“

Die anderen Raupen saßen auf den Blättern und hatten ihre Mäuler voll.

Sie freuten sich. „Hallo Bruder!“, riefen sie und fraßen weiter.

Die Blätter schmeckten dem Vogel wirklich lecker.

„Den Blättern tut das ja gar nicht weh“, sagte der Vogel mit vollem Schnabel. „Und mir auch nicht.“

„Mir auch nicht“, sagte die Raupe.

Und dann fraßen die Raupen mit dem Vogel zusammen die Blätter, bis der Abend gekommen war.