Eines Tages gehört das Universum dir

Du kannst klein sein, oder groß“, sagte der alte Herr Dachs. „Du kannst arm sein oder reich. Immer aber bist du ein Teil des Großen, und immer bist du ein Teil des ganzen Universums.“

„Komm her, wenn du dich traust!“

Fedor breitete seine Flügel aus und schwang sie gewaltig vor und zurück. Er reckte seinen langen, weißen Hals und stieß laute Rufe aus.

„Klar komme ich“, brüstete sich Brex, „und dann gehört diese Bucht mir.“

Brex war ein sehr großer Schwan, um einiges älter und stärker als Fedor. Dieser wusste, dass er gegen den großen Rivalen nicht bestehen würde. Doch einfach kampflos sein Revier einem anderen überlassen, bloß weil dieser vorbeikam und es ihm gefiel, nein, das wollte Fedor nicht.

„Fedor“, rief Gesina, das Schwanenweibchen. „Lass es sein. Er ist so viel stärker als du. Denk an unsere Küken.“

Brex schwamm herbei und richtete sich im Wasser auf. Seine Flügelschläge erzeugten einen heftigen Wind, der auf Fedor und Gesina einpeitschte. Seine Stimme war rau und tief. Der Blick war entschlossen.

Fedor fauchte und zeigte ebenfalls seine volle Größe.

„Komm, Fedor“, hauchte Gesina. „Wir suchen uns eine andere Stelle.“

Die fünf kleinen Küken waren erst gestern ausgeschlüpft. Noch ganz klein waren sie und suchten Schutz in den Federn auf Mutters Rücken.

Fedor musste nachgeben. Wenn es zum Streit kommen würde, konnte den Kleinen etwas passieren.

Sanft schob Gesina den kleinen Fedor zurück ins Federkleid. Dieser Älteste der Küken war frech und mutig und wollte losschwimmen, um es Brex zu zeigen.

Fedor und Gesina schwammen davon und mussten sich von Brex auslachen lassen. Der junge Vater blickte traurig zu seinem Spiegelbild im Wasser hinunter.

Es war der schönste Platz der Welt, den Fedor und Gesina ausgesucht hatten. Der Fluss war an dieser Stelle sehr breit und träge. Viele Schilfinseln und hohes Flussgras lockten sie herbei, um dort nach Nahrung zu suchen. Gesina hatte dort ihre Jungen zur Welt gebracht, fünf lebendige, neugierige kleine Küken. Dies wäre ein idealer Platz geworden, um die Kinder aufzuziehen. Doch nun mussten sie das alles einem anderen überlassen.

„Wir finden eine andere Stelle“, sagte Gesina. „Ich will mich nur noch von unserer Familie verabschieden.“

Da kam Fedors Mutter herbei. Sie hatte von Weitem gesehen, was passiert war.

„Mein Sohn“, sagte sie. „Geht es den Kindern gut?“

„Ja, Mutter. Gesina und ich wollen uns eine neue Stelle suchen. Wir möchten uns von dir verabschieden.“

„Du kannst heute noch nicht gehen“, sagte Fedors Mutter.

„Warum nicht?“

„Heute ist die Nacht des roten Mondes. Dein Vater will heute kommen und mit dir sprechen.“

„Mein Vater, mit mir sprechen?“ Fedor schaute die Mutter erstaunt an.

„Seit so langer Zeit ist Vater fort. Ich weiß nicht mehr, wie er aussieht. Als er fortging, war ich noch ein kleines Küken. Warum will er ausgerechnet heute kommen? Und warum zu mir?“

„Fedor, als er ging, sagte er zu mir, dass er in der Nacht des roten Mondes mit dir sprechen wollte. Mehr weiß ich nicht.“

„Von mir aus kann er bleiben, wo er ist. Ich muss nicht mit ihm sprechen. Er hat sich bisher auch nicht um mich gekümmert. Gesina, kommst du mit?“ Fedor schaute Gesina an, doch sie wollte ihm nicht folgen und schüttelte den Kopf.

„Fedor“, sagte Mutter. „Es ist alles ganz anders, als du denkst. Mich hat er ja auch verlassen. Der Grund, warum er damals wegging,  war sehr wichtig.“

„Was war denn so überaus wichtig?“

„Ich kann es dir nicht sagen, das musste er tun. Er wird es dir sicher erklären. Hör ihm einfach zu.“

Fedor schwamm etwas widerwillig in die Mitte des Flusses und wartete dort auf die Ankunft seines Vaters. Gesina schwamm mit den Kleinen zu ihrer Familie.

Es wurde Nacht. Der große Fluss spiegelte einige letzte dunkle Wolken, und der tief stehende Vollmond veränderte allmählich seine Farbe. Sein blasses Gelb wandelte sich zu einem dunklen Rot. Still und schweigsam verharrte die Welt, als hielte sie den Atem an.

Da hörte er Flügelschläge klatschen und das Rauschen, das man hört, wenn ein Schwan auf dem Wasser landet. Ein großer, mächtiger Schwan tauchte im Schimmern des Mondes auf und steuerte direkt auf ihn zu. Es war sein Vater. Seine Augen waren klar und hell, sein Hals muskulös und gerade, und die Flügel schienen den ganzen Fluss zu umfassen.

„Bist du Fedor, mein Sohn?“, fragte der Schwan.

„Ja“, antwortete Fedor leise.

„Du bist ein stattlicher, schöner Schwan geworden. Ich freue mich, dich zu sehen.“

Fedor schaute in den roten Mond. Er mochte sich nicht gerne mit seinem Vater unterhalten, aber er war von seiner Erscheinung beeindruckt. Für ihn war er wie ein Fremder.

„Ein Schwan, der heute einen Revierkampf verlor…“, antwortete Fedor trotzig.

„Du hast einen Revierkampf verloren? Oh, ja, das ist bitter. Die Niederlage lässt dich an dir selbst zweifeln. Du fühlst dich schwach und unbedeutend. Aber letztlich ist das nicht wichtig.“

„Ach ja?“, fragte Fedor. „Für mich ist das wichtig. Ich habe mein Revier verloren.“

Vater schaute in den Mond. „Was ist wichtiger?“, fragte er. „Dein Revier oder dein Stolz?“

Fedor antwortete nicht.

„Ich habe schon manche Revierkämpfe verloren“, sagte Vater. „Doch kein Kampf war schlimmer, als der, an dem du auf die Welt kommen solltest.“

Fedor schaute seinen Vater fragend an.

„Darf ich dir die Geschichte erzählen?“, fragte Vater.

„Klar.“

„Mutter und ich hatten bereits ein schönes Gelege mit sechs Eiern. Wir freuten uns sehr auf unsere ersten Kinder. Doch dann kam ein anderer Schwan. Er war sehr groß und wild und tat mir sehr weh. Ich biss und wehrte mich, doch er war einfach stärker als ich.

Schließlich machte er sich an das Gelege heran und begann, ein Ei nach dem anderen ins Wasser zu werfen. Mutter und ich versuchten, ihn aufzuhalten, doch er ließ sich nicht davon abbringen. Schließlich gelang es Mutter, ein Ei zwischen ihre Füße zu klemmen und davonzufliegen.

Wir suchten uns einen anderen Platz und konnten das Ei retten. Und als das Küken ausschlüpfte, waren wir die stolzesten Eltern der Welt.“

„Und was ist jetzt mit dem Küken?“, fragte Fedor.

„Das Küken warst du, mein Sohn“, lächelte sein Vater, „und jetzt freue ich mich darüber, wie groß und schön du geworden bist.“

„Das hättest du besser erleben können, wenn du hier geblieben wärst“, antwortete Fedor.

Vater lächelte seinem Sohn zu.

„Du bist stolz, und du bist trotzig. Das ist wunderbar. Es zeigt, dass du stark bist. Trotz und Stolz sind wunderbare Eigenschaften für einen Schwan. Aber diese Eigenschaften können einen daran hindern, Dinge näher zu betrachten. Wenn ich jemandem die Schuld für etwas gebe, dann hat sie der andere, und nicht ich. Und wie kann ich diese Schuld auflösen? Es geht nicht. Sie bleibt, solange der in meinen Augen schuldbeladen ist. Ich kann meine eigene Schuld nur selbst lösen, indem ich sie nicht weggebe, sondern behalte, und sie genau betrachte. Trotz und Stolz sind für diesen Fall ziemlich schlechte Eigenschaften. Wenn an ihrer Stelle Weisheit und in Klugheit stünden, dann könnte ich alle Dinge genau betrachten und die Konflikte auflösen.“

„Aber du warst doch weg“, antwortete Fedor.

„Manchmal“, sagte der Vater mit ruhiger, sanfter Stimme, „manchmal kann man die Dinge, die einen betreffen, nicht in der Weise erklären, wie man es gern tun würde. Dann machen sich die anderen Gedanken, und weil sie es nicht besser wissen, weil sie sich unrecht behandelt fühlen, geben sie einem die Schuld für das, was passiert ist.“

„Mmh“, Fedor spürte, dass er seit vielen Jahren einen Groll gegen seinen Vater hegte.

„Heute bin ich gekommen, um mit dir zu sprechen“, sagte Vater. „Ich danke dir, dass du hier bist.“

„Ist schon okay.“

Der Himmel leuchtete voller Sterne. Keine Wolke war zu sehen. Oft hatte Fedor in die Sterne geschaut und sich die Größe und die Weite des Universums vorgestellt. Jedes Mal, wenn ein Schwan stirbt, dann kommt ein neuer Stern im Universum hinzu und leuchtet von oben hinab.

„Eines Tages“, sagte Vater, „wenn ich nicht mehr bin, dann wird das alles dir gehören.“

„Was?“

„Ja, alles. Alles, was du siehst. Es klingt verrückt. Aber das ganze Universum wird dir gehören.“

Fedor schaute seinen Vater an, als hätte er einen lustigen Witz gemacht, oder als ob dieser nicht ganz richtig im Kopf wäre.

„Wie bitte?“

Vater wusste, dass sein Sohn nicht sofort begreifen würde, was er sagte und legte daher eine lange Pause eine.

„Wie du weißt“, erzählte er schließlich, „wird das Universum von den Flügeln der zehn großen Schwäne umfasst. Sie sind es, die alle Sterne zusammenhalten, sodass sie nicht davonfliegen.“

Fedor wusste das, denn diese Schwäne waren die Hüter der Welt. Alle Schwäne wissen das.

„Die zehn Schwäne sind unsere großen Hüter, und jeder berührt mit seiner Flügelspitze den Flügel des anderen. Und so bilden sie einen vollständigen Kreis um alle Sterne und Galaxien, und nichts gibt es, was in ihrer Mitte aus der Bahn geraten kann. Das ist sehr schön.“

„Ja“, antwortete Fedor und nickte.

„Und in der Mitte dieses Universums trägt der große, goldene Schwan die Silberschale mit Wasser, auf dem unsere Erde schwimmt. Er sieht zu, dass keine Welle über unser Land schwappt und dass Sonne und Mond sich nie berühren. Ja, und manchmal lässt er den Schatten der Erde auf den Mond fallen, sodass dieser rot leuchtet, so wie heute.“

Fedor schaute zum Mond und fand diese Stimmung geheimnisvoll und wunderschön.

„Dieser goldene Schwan heißt Fedor“, erzählte der Vater. „So wie du und so wie ich. Und ich bin der erstgeborene Sohn aus der elften Generation. Es ist die Generation des blauen Wassers.

Alles, was du siehst, steht unter meiner Obhut. Ich bin der rechtmäßige Nachkomme Fedors, des goldenen Schwans, und ich bin der König und Führer des gesamten Universums.“

Fedor schaute seinen Vater mit großen Augen an.

„Wenn ich nicht mehr auf dieser Welt bin“, sagte sein Vater, „dann werde ich zu den zehn Hütern des Universums ziehen, und ich werde einen Platz einnehmen, und meine Flügelspitzen werden die meiner Vorväter berühren. Und ich werde mit meinen Flügeln das Universum umspannen, so wie meine Väter, und von diesem Zeitpunkt an werden es elf Schwäne sein, die die Welt behüten.“

Am Mond zeigte sich ein heller Streifen an seiner rechten Seite. Bald würde er wieder in seiner weißgelben Farbe erstrahlen.

„Und die nächste, die zwölfte Generation, ist die des roten Mondes“, erzählte Vater weiter. „Und weil du mein erster Sohn bist, wirst du mein rechtmäßiger Nachfolger werden. Der König des Universums. Eines Tages, wenn elf Hüter der Welt das Universum umspannen, wirst du der König des Universums sein und dir wird alles gehören.“

„Was, was bedeutet das alles?“ Fedor bekam es etwas mit der Angst zu tun.

„Was das bedeutet? Nun, wie fühlt sich das bei dir an?“

„Ich, ich weiß nicht. Es hört sich sehr groß an und sehr weit. Niemand wusste, dass du der König bist, ich auch nicht. Was bedeutet das, dass alles mir gehören wird?“

„Es ist ganz einfach. Schau dir dein Revier an, das du heute verloren hast. Es ist nicht wichtig. Dir wird alles gehören. Dir gehört der entfernteste Planet, und du bist der König der kleinsten und der größten Lebewesen. Niemand wird mächtiger und größer sein als du. Du wirst die Welten führen und leiten, und deine Klugheit, dein Stolz und dein Trotz werden dafür sorgen, dass es den Schwänen und allen anderen Lebewesen gut gehen wird. Und eines Tages wirst du dies an deinen Sohn weitergeben, wenn du als zwölftes Mitglied zu den Hütern der Welt aufsteigen wirst.“

„Wann wird es denn so weit sein?“

„Heute ist die Nacht des roten Mondes. Die zwölfte Generation hat heute begonnen. Sie wird andauern bis zur Generation des grünen Himmels. Seit heute bist du der neue König.“

Fedor schwieg.

„Für mich ist es Zeit zu gehen“, sagte Vater.

„Was soll ich tun?“, fragte Fedor

„Dein Herz wird es dir sagen“, antwortete Vater. „Am Tage des grünen Himmels wirst du dein Königreich an deinen ältesten Sohn weitergeben. Bis dahin regiere in Weisheit und in Klugheit. Ich weiß, dass dir das gelingen wird.“

Beide Schwäne ließen sich von den sanften Wellen des Flusses schaukeln. Der Mond zeigte sich in seiner strahlenden Helligkeit. Der alte König schwamm auf ihn zu, immer schneller, schlug mit den Flügeln, dass diese auf dem Wasser aufklatschten, und dann hob er ab, erhob sich in die Lüfte, immer weiter, immer höher, bis er nicht mehr zu sehen war.

Fedor saß auf dem Wasser bis zum Morgengrauen. Viele Schwäne kamen aus ihren Nachtlagern heraus und bevölkerten den Fluss. Die Möwen zogen hektische Kreise, und die Enten quatschten laut, um den neuen Tag zu beginnen.

Fedor fühlte sich gleichzeitig ganz groß und ganz klein. Er, der König des Universums? Wie sollte er jetzt regieren? Wen sollte er fragen, wie das ging? Es gab nur einen, den er fragen konnte, seinen Urahn Fedor, den goldenen Schwan, den Träger der silbernen Wasserschale. Zu ihm musste er fliegen.

Gesina kam heran, und die kleinen Küken paddelten eifrig, um zu ihrem Vater zu kommen.

„Fedor“, lächelte Gesina, „wie war das Gespräch mit deinem Vater?“

„Gesina“, sagte Fedor, „es ist unglaublich. Es sind so große Dinge geschehen. Wenn ich dir das erzählen würde, könntest du es mir nicht glauben. Vielleicht kann ich es dir eines Tages erzählen. Ich weiß nur eins, Gesina: Ich muss losziehen. Ich muss zum goldenen Schwan. Bitte pass auf die Kinder auf und auf Fedor, unserem Ältesten. Am Tage des grünen Himmels muss ich mit ihm sprechen. Lebe wohl.“

Fedor zog los und erhob sich in die Lüfte. Sein Ziel war die aufgehende Sonne. Das erste Licht des Tages berührte die Spitzen der Wälder, und die Morgennebel versteckten sich noch in den niedrigen Gräsern.

Fedor wusste nicht, wie groß die Welt war. Bald, so dachte er, würde er den Rand der silbernen Wasserschale erreicht haben, und dann könnte er mit seinem Urahn, dem goldenen Schwan sprechen. Dieser würde wissen, welche Aufgaben er hätte. Er könnte ihm sagen, wie er regieren sollte, was er tun könnte, um die Welt in Klugheit und Weisheit zu regieren.

Sicher hatte dies sein Vater auch getan, als er eines Tages plötzlich davonflog. Jetzt konnte ihn Fedor verstehen. Solche Dinge kann man nicht erklären, dafür keine Worte finden. Und die Lieben, die er zurückließ, würden in Erwartung, in Enttäuschung und im Groll leben. Wie gerne hätte er damals keinen Groll gehegt. Nichts hatte er damals verstanden, aber sein Stolz wollte im Recht sein.

Fedor dachte an Gesina, an seine Kinder und an seine Mutter. Er hatte ihnen auch keine Erklärung abgegeben. War das richtig gewesen? Was würde passieren? Sie würden enttäuscht sein. Es tat ihm leid, aber er konnte nichts daran ändern. Seine neue Aufgabe war so überaus wichtig.

Gegen Mittag wurde Fedor müde, und er wollte eine kleine Rast einlegen. Er entdeckte einen kleinen See an einem Wäldchen und landete darauf.

Plötzlich steuerte ein Schwan auf ihn zu. „Hee, weg da! Das ist mein Revier. Du hast hier nichts zu suchen.“

Fedor blieb ganz ruhig. Er zeigte keine Stärke und keine Größe, um sich mit dem anderen Schwan zu messen. Er wartete ganz ruhig, bis ihn dieser völlig aufgeplustert und mit viel Wind erreichte.

„Bleib ruhig, mein Freund“, sagte Fedor. „Ich will dein Revier nicht. Ich bin nur auf der Durchreise.“

Der andere Schwan beruhigte sich.

„Mein Name ist Fedor. Wie heißt du?“

„Ich bin Lard“, antwortete der Schwan. „Ist schon okay. Wenn du auf der Durchreise bist, dann sei mein Gast.“

„Weißt du, wie lange es noch dauert, bis man an den Rand der silbernen Schale kommt?“

Lard machte große Augen. „Du willst dahin? Mann, das ist wirklich sehr mutig von dir. Warum willst du das machen?“

Fedor dachte an Gesina und an seine Kinder. Wie gerne würde er ihnen jetzt erklären, was er vorhatte.

„Ich muss mit dem goldenen Schwan sprechen“, begann Fedor. „Es ist sehr wichtig.“

„Mit dem goldenen Schwan? Du?“ Lard lachte und staunte gleichzeitig. „Und glaubst du, dass er mit dir sprechen will? Wer glaubst du denn, wer du bist?“

„Ich bin der König“, antwortete Fedor. „Ich bin der zwölfte König, die Generation des roten Mondes.“

Lard blickte Fedor mit großen Augen an. Er lachte nicht mehr.

„Der goldene Schwan wird mir die Aufgaben geben, die notwendig sind, um die Welt zu regieren und um das Universum zu lenken.“

„Mann“, sagte Lard. „Das ist eine wirklich große Aufgabe. Respekt!“

„Bin ich froh“, sagte er weiter, „dass ich hier meinen kleinen See habe und mich um nichts weiter kümmern muss.“

„In Wirklichkeit ist es mein See“, antwortete Fedor. „Ich bin der König. Wenn ich sagen würde, dass du gehen solltest, dann könntest du nichts dagegen tun.“

„Gehört alles dir?“

„Alles, das ganze Universum. Jeder einzelne Planet.“

„Aber was willst du damit?“

Fedor überlegte. „Ich habe das nicht bestimmt. Das ist durch meine Vorfahren so vorgegeben.“

„Und was besitze ich dann?“, fragte Lard. „Was gehört dann mir?“

Fedor dachte an Brex und wie er sein Revier an ihn verloren hatte. Noch gestern war es gewesen, da hatte ihm nichts gehört. Und heute gehörte ihm alles. Was war also Besitz?

„Besitz hat keinen Wert“, sagte Fedor. „In Wirklichkeit besitze ich das alles auch nicht. Es ist nur für eine Weile. In der Generation des grünen Himmels werde ich allen Besitz wieder abgeben. In Wirklichkeit ist Besitz nur das Verwalten von Werten für die Dauer einer kurzen Zeit.“

„Und warum gehört es dir dann überhaupt?“

Da durchströmte es Fedor, als würde die Sonne ihn wärmen, als würde der goldene Schwan mit ihm sprechen. Er fühlte sich plötzlich ganz frei, ganz klar. Seine Augen leuchteten.

„Ja“, strahlte Fedor. „Das ist es. Genau das ist der Punkt. Mir gehört alles, damit ich das alles verschenken kann. Oh, Mann! Ist das großartig!“

„Hä? Was ist los?“, Lard verstand Fedor nicht.

„Ich bin der König des ganzen Universums, und alles gehört mir. Richtig?“

„Ja“, antwortete Lard.

„Also gut, dann darf ich auch alles verschenken. Jeder soll der Besitzer sein. Jedem soll das ganze Universum gehören. Ich schenke dir alles, was du siehst.“

Fedor war überglücklich.

„Besitz ist nur die Verwaltung eines Wertes auf eine bestimmte Zeit. Alle sind letztlich die Besitzer des Universums. Ich muss es verkünden, ich muss es verschenken. Ich werde es zu Hause sagen, ich werde es Gesina sagen, meiner Mutter und Brex und der ganzen Welt.“

Fedor machte sich zum Abflug bereit.

„Lard“, rief er, als er über ihn hinwegflog. „Ab heute bist du ein König. Sag es weiter, sag es weiter!“

Die Generation des roten Mondes war die strahlendste Regentschaft eines Schwanenkönigs, die es jemals gegeben hatte. Im ganzen Land wurde bekannt, dass Fedor, der große König, das Land mit allen teilte. Die Schwäne waren glücklich und teilten auch gerne ihren Besitz mit den anderen.

Denn wer seinen Besitz zu teilen vermag, dem gehört das ganze Universum.